Unsere Historie

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And back Again

Werbung von GGK für Superposter, 1980

Werbung von GGK für Superposter, 1980

GGK, KKG, KKB, ECT.

Die 2011 frisch relaunchte, um Jahrzehnte verjüngte, fließend chinesisch sprechende Schirner Zang Institute of Art and Media GmbH ist hervorgegangen aus der IKM, Michael Schirner Institut für Kunst und Medien GmbH. Die gründete Michael Schirner 2003, als er Prof. an der HfG, Hochschule für Gestaltung im ZKM, Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, war. Zusammen mit der Chinesin Kexin Zang – HfG-Medienkunst- und -Kommunikationsdesign-Diplomandin – führte er Workshops an der Central Academy of Fine Arts Beijing, China durch. Hervorgegangen ist das Institut für Kunst und Medien aus der 1986 gegründeten Michael Schirner Werbe- und Projektagentur Düsseldorf, wo so unterschiedliche Talente wie Diedrich Diederichsen und Sebastian Turner so unterschiedliche Klienten wie taz, die Tageszeitung, und Nukem, die Atomskandalfirma in Hanau, vor dem Untergang retteten. Ursprünglich hieß die Agentur – in Gedenken an die GGK und in Anlehnung an einen Auftraggeber und Nachbarn der Agentur – die KKB Kundenkreditbank – KKG Konzepte für Kommunikation und Gestaltung Projektagentur. Der Name führte dazu, dass KKB die Post von KKG kriegte und KKG die von KKB. Und beide die Post von GGK und umgekehrt. Und das solange, bis KKG 1986 in Michael Schirner Werbe- und Projektagentur umbenannt wurde. Die Agentur KKG hatte Schirner 1985 gegründet, nachdem er 10 Jahre lang Kreativchef und Hauptgeschäftsführer der legendären GGK Werbeagentur Düsseldorf war und dort zusammen mit den besten kreativen Köpfen für die mutigsten Unternehmer die einfalls- und erfolgreichsten Kampagnen der Welt machte.

DAS JÜNGSTE GERICHT

Seit den 70er Jahren hat Michael Schirner sich für die Überwindung der Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst und für die Verbindung und Wirtschaft und Kunst eingesetzt.

Großflächenplakat für die IBM Schreibmaschinen 96C mit Korrekturtaste, 1977

Großflächenplakat für die IBM Schreibmaschinen 96C mit Korrekturtaste, 1977

Mit legendären Kampagnen wie die für die Schreibmaschinen von IBM,

Michael Schirner, Werbung ist Kunst, Klinkhardt & Biermann, München 1988

Michael Schirner, Werbung ist Kunst, Klinkhardt & Biermann, München 1988

mit dem Buch “Werbung ist Kunst”,

Jürgen Harten, Michael Schirner, Arts meets Ads, Katalog zur Ausstellung Avantgarde & Kampagne, Kunsthalle Düsseldorf, Editon Cantz, Stuttgart 1992

Jürgen Harten, Michael Schirner, Arts meets Ads, Katalog zur Ausstellung Avantgarde & Kampagne, Kunsthalle Düsseldorf, Editon Cantz, Stuttgart 1992

mit der Ausstellung “Art meets Ads”. Mit all dem hat er den Stil von Generationen geprägt und Werbe- und Kunstgeschichte geschrieben.

Paul Gredinger, das 2. G von GGK, auf der 1. von 3.637 Jägermeister Anzeigen, 1973

Paul Gredinger, das 2. G von GGK, auf der 1. von 3.637 Jägermeister Anzeigen, 1973

Die Geschichte der künstlerischen Werbung fing 1974 an, als er Kreativchef der GGK Werbeagentur Düsseldorf wurde und verkündete, dass Werbung die wahre Kunst unserer Zeit sei.

Schirner: “Es war 1977, als mich der Verband der Plakatunternehmen eingeladen hatte, auf seiner Jahreshauptversammlung in Stuttgart einen Vortrag vor 800 Leuten aus Werbung Marketing und Medien zu halten.

Ich hatte ein paar Dias mit, auf denen die Kernsätze meines Vortrags standen. Zu jedem Dia erzählte ich ein bisschen. Auf dem ersten stand der Satz, der im Publikum – dann in der gesamten Werbebranche und in den Medien – einen lustvollen Schmerzensschrei auslöste:

Werbung ist Kunst.

Ich wechselte das Dia und da stand:

Konrad Henkel ist Julius der Zweite.

Das war etwas übertrieben, denn Henkel war nun wirklich nicht für die Schönheit der deutschen Werbung bekannt.

Die Renaissance der Renaissance

Das überging ich, indem ich verkündete, Männer wie Konrad Henkel spielten heute die Rolle, die Julius der Zweite, Giuliano de’ Medici und Francesco Sforza in der Renaissance gespielt hatten. Die Adligen und Kirchenfürsten der Vergangenheit sind heute die Wirtschaftsfürsten, die Mäzene, die Werbekünstler beauftragen, die Größe, die Klugheit und die Taten der Unternehmen für alle Welt sichtbar darzustellen. Und da die Taten der Fürsten heute ihre Produkte sind und das Mittel, die Produkte kunstvoll auszudrücken, die Werbung, ist Werbung als Mittel der Selbstdarstellung der Wirtschaftsfürsten an die Stelle der Kunst getreten.

Plakat zur Einführung der Kartoffelpuffer von Pfanni, 1975

Plakat zur Einführung der Kartoffelpuffer von Pfanni, 1975

Ich sagte, das Jüngste Gericht von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle sei heute der außen knusprige, innen zarte Kartoffelpuffer von Pfanni und zeigte das Dia mit der Abbildung unseres Pfanni-Großflächenplakats mit dem riesigen Kartoffelpuffer und der Überschrift:

Das jüngste Gericht

Ich nutzte die Gelegenheit, mit den Unternehmern im Publikum ein wenig ins Gericht zu gehen; ich wollte ihnen angesichts des knusprigen Kartoffelpuffers Appetit machen auf ihre Rolle als Fürsten der Wirtschaft, die sich fürstlich verhalten, wenn es um ihre Werbung geht. Ich forderte sie auf:

„Begreifen Sie, dass Ihre Werbung Ihre Kunst ist, dass Sie der Mäzen Ihrer Werbekunst sind, dass diese Kunst Ihre Größe, Ihre Intelligenz, Ihre Sensibilität ausdrückt, dass sie Ihr Denkmal ist, Ihr Petersdom.“

Und den Art Direktoren in den Werbeagenturen rief ich zu:

“Begreift, dass Ihr die Raffaels von heute seid und Eure Plakate, Anzeigen, Filme die Skulpturen und Paläste des Jahrhunderts sind.“

Weil das Publikum offensichtlich gefallen an meinen Ausführungen fand, ging ich noch etwas weiter und verteilte die Rollen der Leute in der Werbebrache neu, entsprechend der Funktionen, die sie in der Werbung als Kunst ausüben. Den Kontaktern – den Verkäufern von Werbung – sagte ich, dass sie Kunsthändler sind, weil sie die Agenten der Werbekünstler seien. Die Media-Leute, die dafür sorgen, dass die Werbekunst in Medien und Öffentlichen Räumen ausgestellt wird, ernannte ich zu Museumsdirektoren. Die Marketing-Leute und Marktforscher ernannte ich zu Kunsthistorikern; das Historische an ihnen ist ihr altmodisches Instrumentarium – die Strategien, Positionierungen, Marktmodelle, Befragungen, Tests etc. – mit dem sie der Werbekunst den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben wollen. Da aber Kunst sowieso ohne Wissenschaft auskommt, machen Marketing-Leute L’art pour l’art.”

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